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30. April 1993: Die Freigabe des World Wide Web zur allgemeinen Nutzung

Heute vor 23 Jahren, am 30. April 1993, gab das Kernforschungszentrum CERN in der Nähe von Genf die Technik für die Nutzung des World Wide Web für die Öffentlichkeit frei – ein wichtiger Tag für die digitalisierte Welt. Dass wir heute im Web surfen, haben wir damit unter anderem dem Forscherteam um Tim Berners-Lee zu verdanken. Der Brite erfand das Hypertext Transfer Protocol (HTTP) und die Hypertext Markup Language (HTML), um seine Idee von einer Infrastruktur für den freien Austausch von Informationen zu verwirklichen.

In diesem Artikel geht es darum, was das WWW vom Internet unterscheidet, wie sich das Web entwickelt hat und was aus der ursprünglichen Idee geworden ist, die dahinter stand.

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Der Unterschied zwischen World Wide Web und Internet

Die Bezeichnung World Wide Web wird oft umgangssprachlich gleichbedeutend mit dem Internet benutzt. Beim WWW handelt es sich jedoch nur um den multimedialen Teil des Internets, wie die Webseiten. Andere Internet-Dienste, die nicht zum WWW zählen, sind zum Beispiel E-Mail, FTP (File Transfer Protocol) oder IRC (Internet Relay Chat). Mittlerweile werden im Web aber auch Alternativen für diese Internet-Dienste angeboten: Webmail anstelle von E-Mail-Clients, WebFTP als FTP-Client, Webchats für IRC. Das WWW ist heute der bekannteste und auch meistgenutzte Teil des Internets.

Wie funktioniert das World Wide Web?

Im Prinzip ist das WWW eine Sammlung von Servern, auf denen Informationen in Form von Text, Bild, Audio und Video abgelegt sind. Auf diese Informationen greift man mithilfe eines Browsers zu, die Informationen sind untereinander verlinkt. Diese Verknüpfung von Dokumenten macht letzten Endes das WWW aus.

Der Browser als HTTP-Client kontaktiert bei jedem Klick auf einen Link den entsprechenden HTTP-Server, auf dem die Ressource liegt. Das nennt man HTTP-Request. Der HTTP-Server liefert die Seite an den Browser per HTTP-Response, anhand der Adresse des Links, die aus Server-Adresse, Verzeichnis und Dateiname besteht. Der Browser wiederum stellt dann die aufgerufene Seite dar.

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Was war zuerst da – WWW oder das Internet?

Das World Wide Web ist jünger als das Internet. Bereits 1969 wurden Rechner amerikanischer Forschungseinrichtungen über eine Entfernung von mehreren Hundert Kilometern miteinander zum ARPANET (Advanced Research Projects Agency Network) verbunden, welches bis 1989 existierte und als Vorläufer des Internets gilt. Die erste E-Mail wurde schon zwei Jahre später, 1971, versandt.

Die Anfänge des World Wide Web

1989, also 20 Jahre nach den Anfängen des Internets, erfolgte dann der erste Schritt in Richtung World Wide Web: Tim Berners-Lee, zu dieser Zeit tätig für die Europäische Organisation für Kernforschung (CERN), suchte nach einem Weg, die Forschungsergebnisse des Zentrums einfacher mit Kollegen austauschen zu können. Dadurch, dass das CERN sowohl auf schweizerischem als auch auf französischem Gebiet lag und viele verschiedene Wissenschaftler aus unterschiedlichen Ländern immer wieder dort arbeiteten und forschten, gestaltete sich die Verwaltung und Dokumentation zunehmend als kompliziert.
Berners-Lee verfasste ein Konzept „Information Management: A Proposal“, in welchem er das Problem am CERN darstellte und seine Lösungsidee des Hyperlinking beschrieb. Anfangs fand seine Idee jedoch keine große Beachtung. Das Kernforschungszentrum setzte seine Projektgelder hauptsächlich für die Entwicklung von Teilchenbeschleunigern ein. Man gewährte ihm aber Zeit für sein Projekt und so arbeitete er stetig an der Realisierung.

Die Entwicklung von HTML und HTTP

Im Laufe der nächsten Monate entwickelte er das Transferprotokoll HTTP sowie die Seitenbeschreibungssprache HTML. Im September 1990 begann er mit der Konzipierung eines Webservers und eines ersten Browsers für sein Projekt auf NeXT Rechnern.
Am 13. November 1990 veröffentlichte Tim Berners-Lee die weltweit erste Webseite http://info.cern.ch. Sie ist heute übrigens immer noch erreichbar, als Kopie aus dem Jahr 1992 (siehe weiterführende Informationen am Artikelende).
Unterstützung erhielt er unter anderem vom ebenfalls am CERN beschäftigten belgischen Informatiker Robert Cailliau, später auch von den studentischen Hilfskräften Nicola Pellow, die den ersten für alle Betriebssysteme nutzbaren Browser programmierte, und Jean-François Groff, der mit dem Schreiben der libwww-Bibliothek beauftragt wurde.

1991 veröffentlichte Berners-Lee eine konkrete Beschreibung seines Projekts in der libwww, die die Definition seiner drei Kerntechnologien für das WWW beinhaltete:

  1. HTTP-Protokoll (Hypertext Transfer Protocol): Kommunikation zwischen Webclients und Webservern
  2. URIs (Universal Resource Identifier): Adressierung beliebiger Dateien und Datenquellen im Web und im Internet
  3. HTML (Hypertext Markup Language): Auszeichnungssprache für Web-Dokumente

Freigabe der WWW-Technologie und die Folgen

Damit lud er erstmals Personen außerhalb des CERN dazu ein, seine Technologie zu testen und eigene Browser zu programmieren. Indem er die libwww über seinen Webserver uneigennützig im Internet bereitstellte, unterstützte er die Open-Source-Initiative. Er wusste, dass seine Idee einer globalen Vernetzung auf diese Weise die größte Chance auf eine maximale Verbreitung haben würde und so verwirklicht werden könnte.
Am 30. April 1993 bestätigte dann die CERN-Verwaltung in einem Schriftstück offiziell, dass die WWW-Technologie auch in Zukunft frei nutzbar bleiben würde.

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Source: StatCounter Global Stats – Browser Market Share

Nach dieser Freigabe schritt die Entwicklung wie vorhergesehen immer schneller voran, da im Prinzip jeder daran arbeiten konnte.
Der erste grafikfähige Browser Mosaic machte das Web schließlich massentauglich. Sein Nachfolger war der Browser Netscape (erste Version 1994), der vom Internet Explorer im Browserkrieg mit Microsoft wiederum verdrängt wurde.
Heute ist Chrome mit einem Marktanteil von 56,4 % (Stand März 2016) der meistgenutzte Desktop-Browser weltweit, gefolgt von Firefox (14,31 %), dem Internet Explorer (12,52 %), Safari (9,47 %) und Opera (1,91 %).

Zeitstrahl: Meilensteine in der Entwicklung des WWW

1989 „Information Management: A Proposal“
1990 Entwicklung HTTP, HTML, URI
Erster Webserver CERN httpd und erster Browser WorldWideWeb
Erste Webseite http://info.cern.ch
Line Mode Browser
1991 Programmierbibliothek libwww
1992 ViolaWWW Browser
1993 Erklärung der freien Nutzung der WWW Technologie durch das CERN
Mosaic Browser
1994 Erste Internationale WWW Konferenz
Gründung World Wide Web Consortium
Netscape
Gründung Amazon
10 Millionen Nutzer
1995 Internet Explorer
16 Millionen Nutzer
1996 Opera
1998 Google
2000 300 Millionen Nutzer
2001 Wikipedia
2003 Safari
2004 Firefox
Facebook
2005 Web 2.0
2008 Chrome
2015 3 Milliarden Nutzer

W3C – Das World Wide Web Consortium

Im Oktober 1994 gründete Tim Berners-Lee das World Wide Web Consortium am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Kollaboration mit dem CERN, Unterstützung erhielt er außerdem vom DARPA (Defense Advanced Research Project Agency) und der Europäischen Kommission.
Sein Ziel war es, ein langfristiges Wachstum für das WWW sicherzustellen. Dafür entwickelt das W3C bis heute Standards und Richtlinien – sogenannte W3C Recommendations – die die Kompatibilität von Web-Technologien für die Zukunft gewährleisten. Jede Hard- und Software, die eingesetzt wird, um das Web zu nutzen, soll auch das volle Potenzial ausschöpfen können. Eine Fragmentierung des WWW soll verhindert werden.
Als internationales Konsortium hat das W3C über 400 Mitglieder in 28 Ländern. Neben den Hostorganisationen MIT (USA), ERCIM (Frankreich) und Keio University (Japan) gibt es Büros in 14 Regionen rund um die Welt.
Unter der Direktion Berners-Lees setzt sich das W3C für eine Patentfreiheit der Technologien sowie die Stärkung der Sicherheit im Web ein.

Web 2.0 und Social Media – Was aus dem WWW geworden ist

Die Kommerzialisierung des World Wide Web steht auf den ersten Blick im Widerspruch zu Berners-Lees ursprünglicher Intention. Er verfolgte mit seiner Erfindung keine Geschäftsinteressen. Das WWW sollte eine kostenlos nutzbare Infrastruktur für den freien Austausch von Informationen für Jedermann sein. Die Entstehung von Marktplätzen wie Amazon und eBay Mitte der Neunziger, die die Kommerzialisierung des Web endgültig machte, sieht er aber trotzdem als Erfolg des WWW an.

Der Begriff Web 2.0 tauchte erstmals in der Öffentlichkeit im Jahr 2003 auf, durch Eric Knorr (Chefredakteur InfoWorld Magazin) in der Zeitschrift CIO. Tim O’Reilly (O’Reilly Verlag) prägte ihn zwei Jahre später im Zusammenhang mit Fachkonferenzen zu neuen Web-Technologien.
Web 2.0 beschreibt die Änderung in der Nutzung und Wahrnehmung des Web hin zur Mitgestaltung durch den Nutzer, der zum Prosument wird, der nicht mehr nur Konsument, sondern gleichzeitig auch Produzent ist.
Tim Berners-Lee kritisierte diesen Ausdruck als einen „Jargonausdruck“, der keine erkennbar klare Bedeutung besitzt. Außerdem war der Aspekt der Mitgestaltung für ihn nichts Neues, da die Interaktivität der User von Anfang an sein Wunsch für das WWW war.

Heute hat Social Media den Begriff Web 2.0 weitestgehend abgelöst. Hierunter fallen alle Medien, Plattformen und Technologien, über die Nutzer miteinander kommunizieren und Inhalte austauschen können. Die Faktoren Echtzeit, Benutzerfreundlichkeit, Zugänglichkeit, Reichweite und Multimedialität spielen für Soziale Medien eine wichtige Rolle.
Der Grundstein für Soziale Netzwerke & Co. wurde streng genommen aber schon vor der Erfindung des World Wide Web gelegt: Bereits 1979 gab es mit dem Usenet die Newsgroups, in denen sich die Nutzer untereinander austauschten. Ende der 70er Jahre wurde außerdem das forenähnliche Bulletin-Board-System (BBS) entwickelt.

Ein Ausblick: Web 3.0

Vom Web 3.0 ist mittlerweile die Rede, wenn es um das semantische Web geht. In einem semantischen Web sind Informationen nicht mehr nur verknüpft, sondern die Bedeutung der Informationen ist verarbeitet und maschinenlesbar aufbereitet. Suchmaschinen können so bessere, genaueste Ergebnisse liefern, sollen idealerweise so arbeiten und „denken“ wie ein Mensch. Die Idee des semantischen Web gibt es schon lange, auch sie geht zurück auf Tim Berners-Lee.
Bisher gibt es drei vom W3C entwickelte Standards zum semantischen Web. Auch an der immer semantischer werdenden Googlesuche lässt sich die fortschreitende Entwicklung verfolgen. Es bleibt abzuwarten, was die nächsten Jahre auf diesem Gebiet mit sich bringen.

Weitere Informationen zum Thema World Wide Web:

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Über die Autorin
Deborah Brittner
kümmert sich seit Juli 2014 um den Bereich Marketing und Kommunikation bei netzorange und ist damit auch verantwortlich für die Website und den IT-Blog. Sie versteht es, mit Worten umzugehen und kann ein noch so technisches Produkt verständlich erklären.