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Frauen in IT-Berufen – 4 Vorreiterinnen berichten

Nur rund 17 Prozent aller Experten im deutschen IT-Bereich sind weiblich und es rücken auch kaum IT-Expertinnen nach. Im Jahr 2014 lag das Verhältnis von IT-Studentinnen zu ihren männlichen Kommilitonen bei nur schlappen 20 zu 80 Prozent. Woran liegt das? netzorange geht auf Spurensuche und ermittelt mögliche Gründe.

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Das Bild des Computer-Nerds ist überholt

Trotz des schlechten Verhältnisses von Männern und Frauen in IT-Studiengängen nimmt die Anzahl der Studentinnen, die sich in den Bereich wagen, an den Hochschulen zu. Während der Anteil der männlichen IT-Studenten in den vergangenen Jahren vergleichsweise konstant geblieben ist, stieg die Zahl weiblicher Studenten in den letzten vier Jahren um knapp zwei Prozent. Das ist nicht viel, aber immerhin ein Anfang.

Die Anzahl der Bewerbungen für eine Ausbildung im IT-Bereich, zum Beispiel zur Fachinformatikerin, sind nach wie vor verhältnismäßig gering. Auf neun Fachinformatiker kommt gerade eine weibliche Bewerberin. Auch bei netzorange ist diese Tatsache nicht unbekannt.

Jan Reutersberg - netzorange IT-Dienstleistungen „Die weibliche Bewerberquote bei den Fachinformatikern war in den letzten Jahren leider gleich Null. Für die Zukunft würde ich mir wünschen, vermehrt weibliche Bewerber zu unseren Assessment-Centern einladen zu können. Es ist an der Zeit umzudenken und das Klischee, nur Männer könnten Technik, zu widerlegen.“
Jan Reutersberg, Betriebsleiter

 

Obwohl das Bild des Computer-Nerds, der in einem kleinen, dunklen Zimmer sitzt und sich nur von Tiefkühlpizzen und Softdrinks ernährt, schon längst überholt ist, entscheiden sich die meisten jungen Frauen immer noch eher für Studiengänge oder Ausbildungen aus anderen Bereichen und ergreifen dementsprechend mittelfristig andere Jobs als die klassischen MINT-Berufe. Dabei hat der Bereich der Informationstechnologie mittlerweile deutlich mehr Facetten außer Bits und Bytes und Nullen und Einsen.

Es gibt einzelne Vorreiterinnen in der IT

Mittlerweile gehören neben guten Englischkenntnissen auch viele Soft Skills, wie eine hohe Kommunikations- und Teamfähigkeit, mit zu den elementarsten Eigenschaften eines modernen ITlers und einer modernen ITlerin – zum Beispiel im Beruf des IT-Consultants. Und das meist über die eigenen Landesgrenzen hinaus, schließlich ist die IT-Branche international weit vernetzt.

Ihr verstaubtes Bild ist also nicht mehr zeitgemäß. Zwar steigt die Zahl weiblicher IT-Studenten, aber das nur sehr langsam. Woran liegt das? Ist der Kampf gegen das stereotype Berufsbild doch noch nicht gewonnen? Oder haben Frauen einfach grundlegend andere berufliche Interessen?

In den Bereichen Vertrieb und Marketing sind viele IT-Unternehmen bereits mit Mitarbeiterinnen besetzt. Reine Programmierinnen oder Technikerinnen muss man hingegen fast mit der Lupe suchen. Es gibt vereinzelte Vorreiterinnen, die den Schritt in die IT-Branche gemacht haben. netzorange hat bei vier Pionierinnen nachgefragt.

Batul El-Ghoul als erste Technikerin bei netzorange

Batul El-GhoulAnfang Juli feiert netzorange eine kleine Premiere: Mit Batul El-Ghoul bekommt der Technische Support der Orangen erstmals weiblichen Zuwachs! Grund genug, unsere neue Kollegin direkt einmal zum Thema Frauen in der IT zu löchern.

Was könnte der Grund für den noch so geringen Anteil von Frauen im IT-Bereich sein?

„Viele Mädchen trauen es sich nicht zu, tiefer in die IT einzusteigen, obwohl das Verständnis vorhanden ist. Der Ruf der Nerds ist immer noch zu tief in den Köpfen verankert.“ Dabei würde sie sich selbst nicht einen Nerd nennen: „Ich spiele keine Computerspiele und habe zuhause auch keine ausgefallene IT stehen.“ Vielmehr macht ihr die Arbeit mit der Technik Spaß und sie schätzt es sehr, dass sie im Berufsalltag immer noch etwas Neues dazu lernen kann.

Haben Sie den Schritt in den IT-Bereich bewusst getan?

Ihren Weg in die IT bezeichnet Batul El-Ghoul eher als einen Zufall. Vor dem Fachabitur hatte sie die Wahl zwischen den drei Schwerpunkten Erzieherin, Sozialassistentin und Fachinformatikerin. „Da mich nur Fachinformatikerin angesprochen hat, war dies einen Versuch wert.“ Diese Entscheidung war wohl die richtige, denn auch ohne Vorkenntnisse konnte sie bereits am Anfang im Unterricht folgen: „Ich habe mich direkt wohl gefühlt, obwohl ich sowohl im Fachabitur als auch später in der Berufsschulklasse das einzige Mädchen war.“ Nach dem erfolgreichen Abschluss der Ausbildung zur Fachinformatikerin für Systemintegration arbeitete sie ein weiteres Jahr im Bereich der IT, bevor sie nun zu netzorange kommt.

Haben Sie das Gefühl, dass Sie von der geringen Anzahl von Frauen in der IT-Branche profitieren?

„Dadurch, dass ich „das Huhn im Korb“ war, habe ich gelernt, mich durchzusetzen und in der Gesellschaft zu behaupten.“ Batul El-Ghoul kann auch davon berichten, dass Mädchen in der IT besonders beliebt sind. „Als ich mich für meine Ausbildungsstelle und danach für einen Arbeitsplatz beworben habe, wurde ich überall mit offenen Armen empfangen.“

Claudia Nitsch: Eine Frau im IT-Support

Claudia NitschClaudia Nitsch ist Quereinsteigerin und mittlerweile seit sieben Jahren im IT-Support bei der Neumeier AG tätig. Sie ist der Meinung, „dass die Hemmschwelle für Frauen möglicherweise zu groß ist. Immerhin ist der Männerüberschuss bereits in IT-Studiengängen enorm. Das könnte für einige junge Frauen ein Hindernis darstellen.“

Wie ist es, wenn man in einer Männerdomäne arbeitet?

Dass der Großteil der IT-Experten in Deutschland männlich ist, erlebt die kaufmännische Leiterin im Bereich Software selbst jeden Tag. „Ich arbeite in einer Männerdomäne, ja. Doch für mich ist das überhaupt kein Problem. Die Zusammenarbeit läuft sehr kameradschaftlich ab. Wir sind alle auf einer Ebene.“ Von einer dominierenden Vorherrschaft der Männer im IT-Bereich kann Claudia Nitsch also nicht berichten.

Sind ITler automatisch Nerds?

Als Nerd würde sie sich allerdings nicht bezeichnen: „Ich bin sehr gut in meinem Bereich. Deswegen bin ich doch nicht gleich ein Computer-Nerd. Ich glaube, dass viele Frauen in dieser Branche gut aufgehoben wären.“

Was sagen eigentlich Ihre Freundinnen dazu?

Auch wenn viele Frauen nicht den Weg in die IT nehmen, rechtfertigen musste sich die Fachfrau aus Mallersdorf vor ihren Bekannten und Freundinnen nie. „Es wird akzeptiert, dass ich als Frau im IT-Bereich tätig bin. Dass viele meiner Freundinnen einem ganz anderen Beruf nachgehen, ist für mich dabei kein Problem.“

Wie kann man Frauen an IT-Berufe heranführen?

Um die Vorbehalte gegenüber einem Beruf in der IT-Branche zu entkräften, ist Claudia Nitsch von Initiativen wie beispielsweise dem „Girls Day“ überzeugt. „Ich halte das für eine gute Sache. So kann man junge Frauen an die Branche heranführen. Vielleicht wagen dann auch mehr Frauen den Schritt in die IT.“

Am Girls’Day öffnen Unternehmen, Betriebe und Hochschulen in ganz Deutschland ihre Türen für Schülerinnen ab der 5. Klasse. Die Mädchen lernen dort Ausbildungsberufe und Studiengänge in IT, Handwerk, Naturwissenschaften und Technik kennen, in denen Frauen bisher eher selten vertreten sind. Oder sie begegnen weiblichen Vorbildern in Führungspositionen aus Wirtschaft und Politik. Der nächste Girls’Day findet am 28. April 2016 statt.

Webentwicklerin Hendrike Heydenreich

Hendrike HeydenreichÄhnlich bewertet das auch die selbstständige Webentwicklerin Hendrike Heydenreich. „Jungen Frauen auf diese Weise den Zugang zum IT-Bereich zu erleichtern, ist eine gute Sache.“ Allerdings warnt die Front-End-Spezialistin davor, zwanghaft zu versuchen, Frauen in den IT-Bereich zu drängen. „Das macht überhaupt keinen Sinn. Ich denke, dass niemand einen Beruf erlernen sollte, der nicht seinen Neigungen entspricht, nur weil dort vielleicht gerade Bedarf ist.“

Wie verlief Ihr Einstieg in die IT-Branche?

Hendrike Heydenreich hat damals anders als Claudia Nitsch den direkten Weg in die IT-Branche genommen. „Zumindest fast direkt. Mein erstes Studium galt dem Wirtschaftsingenieurswesen, dort war ich fast die einzige Frau im Studiengang. Am Ende habe ich das Studium allerdings abgebrochen, zu viel BWL.“ Danach stieg die Hamburgerin direkt in das Informatikstudium ein – „die beste Entscheidung meines Lebens.“

Haben Sie das Gefühl, dass es immer mehr ITlerinnen gibt?

Dass verhältnismäßig wenige Frauen in der IT-Branche tätig sind, erlebt auch Hendrike Heydenreich. Allerdings: „Gerade in meinem Bereich gibt es immer mehr Frauen. In die Front-End-Entwicklung mit den grundlegenden Schwerpunkten auf HTML, CSS und JavaScript rutschen viele Frauen aufgrund ihrer Ausbildung zur Mediengestalterin oder dem Studium im Bereich Mediendesign hinein.“

Rechtfertigen musste sich die Freiberuflerin übrigens noch nie für ihre Berufswahl. Vielmehr fanden Freunde und Bekannte „es super, dass ich Entwicklerin geworden bin.“

Wie ist es für Sie, in einer männerdominierten Branche zu arbeiten?

Auf die Gefahr hin, dass es ein Vorurteil gegenüber einer männerdominierten Branche ist, betont Hendrike Heydenreich: „Ich wurde in meiner gesamten Karriere, sowohl als Angestellte als auch als Freiberuflerin, nie diskriminiert oder hatte das Gefühl, ich sei als Frau in der Branche nicht erwünscht. Ganz im Gegenteil: Die Kollegen freuen sich darüber, auch mal mit einer Frau zusammen zu arbeiten.“

Sind ITler automatisch Nerds?

Hendrike Heydenreich würde sich nicht als Nerd bezeichnen, denn Ihrer Ansicht nach sind das die Menschen, die ihren Beruf zusätzlich auch noch zu ihrem Hobby machen. „Ich liebe meinen Job, keine Frage, aber ich bin keine Hardcore-Informatikerin. Ich gehe meinen Hobbies nach und lasse die Arbeit aber dann Arbeit sein.“

Kristina Klassen: Fachinformatikerin in der Ausbildung

Wenn man das Wort Nerd als Streber definiert, dann würde sich Kristina Klassen auch so bezeichnen. „Wenn man Nerd allerdings als Menschen versteht, der 24/7 vor dem Computer hockt, dann bin ich definitiv kein Nerd!“

Wie sind Sie in den IT-Bereich gekommen?

Die 20-Jährige absolviert momentan eine Ausbildung zur Fachinformatikerin bei der KPMG ITS Services GmbH & Co. KG in Köln und ist hauptsächlich durch Eigeninitiative in den IT-Bereich gekommen: „Ich habe letztes Jahr mein Abitur gemacht. Mein viertes Abiturfach war Informatik. Schon in der Schule hat mir der Fachbereich Spaß gemacht.“ Nachdem ihre Klasse in der Oberstufe von KPMG eingeladen wurde, bewarb sie sich gleich für ein Praktikum in der IT-Abteilung.

Nach dem Abitur wurde daraus dann eine Ausbildungsstelle. „Ich hatte auch einige andere Ideen, was ich nach der Schule machen wollte, aber alle hatten irgendwie mit IT zu tun.“

Ist es ein Problem, in einer Männerdomäne zu arbeiten?

Auch Kristina Klassen kann berichten, dass deutlich mehr Männer als Frauen in der IT-Branche tätig sind. Sie ist in der Klasse der Berufsschule immer noch die einzige Schülerin, doch sie beobachtet eine Entwicklung. „Man merkt, dass immer mehr Frauen ausgebildet werden. In der Niederlassung von KPMG in Köln arbeiten bereits 50 Prozent Frauen.“

Dass sie in einer von Männern dominierten Branche arbeitet, ist für Kristina Klassen allerdings kein Problem. „Ich bin unter Jungs aufgewachsen. Es hat sogar einige Vorteile, als einzige Frau mit Männern zusammen zu arbeiten. Man wird quasi wie ein rohes Ei behandelt. Alles ist sehr pragmatisch und zielorientiert.“

Was sagen eigentlich Ihre Freundinnen dazu?

Schlechte Erfahrungen hat sie dabei noch nicht gemacht. Alle Jungs in der Branche, die sie kenne, seien ganz lieb. „Teilweise wird man, gerade als Anfängerin, etwas schmunzelnd angeguckt, aber das hat nichts mit dem Geschlecht zu tun. Man begegnet sich trotz allem auf Augenhöhe.“

Rechtfertigen musste sich die angehende Fachinformatikerin aus der Eifel für ihre Berufswahl noch nie. „Einige Freundinnen haben am Anfang schon mal gefragt, wie ich denn zu sowas kommen würde. Allerdings: Man bekommt durchaus Lob im Freundeskreis dafür, dass man sich als Frau in so eine Männerdomäne traut.“

Aufgrund ihrer Erfahrungen steht für Kristina Klassen fest: „Es kommt nicht auf das Geschlecht an, sondern darauf, wofür man sich interessiert und dieses Denken scheint sich immer mehr zu verbreiten. Ich habe das Gefühl, dass die Überzeugung, Männer seien für einen IT-Beruf von Grund auf qualifizierter als Frauen, immer weniger wird.“

Fazit: Ran ans Netzwerk, Mädels!

Fakt ist: Die IT-Branche ist nach wie vor eine von Männern dominierte Berufssparte.
Das kann auch Daniel Dinter, Geschäftsführer von netzorange, bestätigen:

Daniel Dinter - netzorange IT-Dienstleistungen „Aus meiner Sicht ist der IT-Bereich leider noch immer eine Männerdomäne. Dabei würde es der IT-Branche sicherlich gut tun, wenn hier mehr Frauen tätig wären, um das teilweise verstaubte Image in ein freundlicheres Licht zu rücken.“
Daniel Dinter, Geschäftsführer

 

Fakt ist aber auch, dass die Frauen, die fachlich interessiert sind und sich in diese Branche hineinwagen, sehr positive Erfahrungen mit dem Arbeitsumfeld und den Kollegen machen, wie Kristina Klassen und Co. berichten.
Ist der Weg erst einmal geebnet, steht der Karriere als erfolgreiche ITlerin nichts mehr im Wege. Im Gegenteil: Frauen haben im Vergleich zu Männern bessere Chancen, schnell aufzusteigen und unter Umständen Führungspositionen einzunehmen.
Dieses Potential gilt es zu nutzen! Unternehmen sollten deswegen ganz explizit an junge Frauen und Mädchen herantreten, um sie für die IT-Branche zu interessieren und im besten Falle zu begeistern. Interessierte Mädchen sollten auf jeden Fall den Mut haben, sich das Arbeitsumfeld näher anzusehen, zum Beispiel indem sie ein Praktikum machen und Möglichkeiten wie den „Girls’Day“ nutzen. Profitieren werden am Ende beide Seiten. Umso mehr freut sich das Technik-Team und allen voran Daniel Dinter, mit gutem Beispiel voran gehen zu können und ab Juli die erste Fachinformatikerin bei netzorange begrüßen zu dürfen.

Frei nach dem Motto:
Auf geht’s in die IT-Branche, Mädels! Was die Jungs können, könnt ihr schon lange 😉

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Über den Autor
Patrick Helling
unterstützt seit Anfang 2015 das Marketing-Team von netzorange. Als studentische Hilfskraft ist er in erster Linie mit für die Content-Befüllung des Unternehmens-Glossars zuständig. Aber auch, wenn es darum geht einen Artikel für den IT-Blog zu schreiben, steht der Student der Medienkulturwissenschaften und Medieninformatik dem Team zur Verfügung.